Sturm und Drang

Johann Gottlieb Goldberg (1727-1756)

Sonata a quatrro in c-moll

Francesco Durante (1684-1755)

Concerto No. 2 in d-moll

Johann Friedrich Fasch (1688-1758)

Sonate für 2 Geigen, Bratsche und Basso Continuo in d-moll

Antonio Montanari (1676-1737)

Concerto „Dresden“ in C-Dur für Geige und Streicher

Johann Gottlieb Goldberg (1727–1756)

Sonata a quattro in c-moll

Francesco Durante (1684–1755)

Concerto No. 2 in d-moll

Johann Friedrich Fasch (1688–1758)

Sonate für 2 Geigen, Bratsche und Basso Continuo in d-moll

Antonio Montanari (1676–1737)

Violin Concerto „Dresden“ in C-Dur

Dieses Programm führt uns auf eine Reise durch drei musikalische Welten des frühen 18. Jahrhunderts: die leidenschaftliche Wärme Neapels, die Virtuosität des römisch-italienischen Barock und die kontrapunktische Strenge der deutschen Hofmusik. Verbindendes Element ist eine musikalische Strömung, die in diesen Jahrzehnten besonders in Deutschland aufblühte: der Sturm und Drang, eine von der Literatur ausgehende künstlerische Bewegung, die in der Musik durch dichte Kompositionsweisen, gewagten Einsatz von Chromatik und Synkopen sowie eine unmittelbare emotionale Ausdruckskraft Gestalt annimmt.


Johann Gottlieb Goldberg (1727–1756) stammte aus Danzig und sollte zu einer bedeutenden Figur der Dresdner Musikszene werden. Er genoss eine intensive Ausbildung bei Johann Sebastian Bach, der ihn als seinen fähigsten Schüler einschätzte – und dies hört man. Die Sonata a quattro in c-Moll weist starke Ähnlichkeiten mit Bachs polyphonem Stil auf, und einige von Goldbergs Werken wurden bis Ende des letzten Jahrhunderts Bach selbst zugeschrieben. Zugleich zeigt die Sonate den Einfluss des Sturm und Drangs in seiner eindringlichsten deutschen Ausprägung: dichte Chromatik, expressive Harmonik, eine fast bedrohliche Intensität. Goldberg starb jung, mit nur 29 Jahren – sein schmales Werk lässt erahnen, welche kompositorische Stimme der Nachwelt verloren gegangen ist.


Francesco Durante (1684–1755) war eine der zentralen Persönlichkeiten der neapolitanischen Schule, sowohl als Komponist wie auch als einflussreicher Pädagoge. Sein Concerto No. 2 in d-Moll für Streicher und Basso continuo verbindet die Elemente des Sturm und Drangs mit einer auf Palestrina zurückgehenden polyphonen Tradition sowie dem galanten neapolitanischen Stil. Charakteristisch dabei ist ein ironischer, beinahe sarkastischer Umgang mit Dissonanzen: Nicht allein als Klageausdruck des lamento, sondern als witzige, pointierte Geste eingesetzt. Durante verbrachte längere Zeit in Rom und am sächsischen Hof zu Dresden – Begegnungen, die sein kompositorisches Denken nachhaltig bereicherten.


Aus dem norddeutschen Raum stammt Johann Friedrich Fasch (1688–1758), dessen Sonate in d-Moll ebenfalls im Rahmen dieses Programms erklingt. Fasch war Hofkapellmeister in Zerbst und unterhielt ein weitverzweigtes Netzwerk musikalischer Kontakte, zu dessen Mitgliedern unter anderem Pisendel, Telemann und C. P. E. Bach gehörten. Über seinen engen Freund Johann Georg Pisendel – Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle – lieferte Fasch über viele Jahrzehnte Instrumentalwerke für Dresden. Sein Werk markiert besonders deutlich den Übergang vom Spätbarock zum Frühklassizismus, und seine Musik bewegte sich stilistisch zwischen dem kontrapunktischen Erbe Bachs und dem vorwärtsgewandten galanten Stil. J. S. Bach selbst schätzte Faschs Kompositionen so sehr, dass er eigenhändig Abschriften von fünf seiner Suiten anfertigte.


Die vierte Klangwelt des heutigen Abends gehört Antonio Montanari (1676–1737) und seinem Concerto „Dresden“ in C-Dur für Violine und Streicher. Gebürtig aus Modena, gelangte Montanari bereits mit 14 Jahren nach Rom, wo er Schüler von Arcangelo Corelli wurde und schnell als gefragter Geigenvirtuose Ruhm erlangte. Sein Violinkonzert trägt den Beinamen „Dresden“, weil das Manuskript vermutlich von Johann Georg Pisendel – eben jenem Dresdner Konzertmeister, der auch mit Fasch eng verbunden war – bei einem Romaufenthalt erworben und nach Sachsen mitgebracht wurde. Bis heute wird das Werk in der berühmten Sammlung „Schranck II“ der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Dresden aufbewahrt, einem Schatz des Barock, der zahlreiche weitgehend unbekannte Meisterwerke birgt.


So fügt sich das heutige Programm wie ein kartografisches Netz zusammen: Neapel, Zerbst, Danzig, Modena und Rom – verbunden durch Dresden, das als Schmelztiegel dieser Stile und als Knotenpunkt eines gelebten musikalischen Austauschs eine zentrale Rolle spielte. Dahinter steckt eine tief menschliche Geschichte: Musiker, die reisten, voneinander lernten, Manuskripte transportierten und einander inspirierten – als dies der einzige Weg war, musikalische Horizonte zu erweitern.