Goldberg meets Bassani

Francesco Durante (1684-1755)

Concerto No. 2 in d-moll für Streicher und Basso Continuo

Giovanni Battista Bassani (1650-1716)

Sonata prima in A-Dur

Johann Gottfried Goldberg (1727-1756)

Sonata a quattro in C-Dur

Alessandro Scarlatti (1660-1725)

Sonata a quattro senza clavicembalo No. 3

Jan dismas Zelenka (1679-1745)

Triosonata No. 2 in g-moll

Andante, Allegro

Antonio Montanari (1676-1737)

Concerto „Dresden“ in C-Dur für Geige und Streicher

Francesco Durante (1684-1755)

Concerto No. 2 in d-moll für Streicher undd Basso Continuo

Giovanni Battista Bassani (1650-1716)

Sonata Prima in a-moll

Johann Gottfried Goldberg (1727-1756)

Sonata a quattro in c-moll

Alessandro Scarlatti (1660-1725)

Sonata a quattro senza clavicembalo No. 3

Jan Dismas Zelenka (1679-1745)

Triosonata No.2 in g-moll

Andante, Allegro

Antonio Montanari (1676–1737)

Concerto „Dresden“ in C-Dur für Geige und Streicher

Zwei musikalische Zentren des Barock treffen in diesem Programm aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: das protestantisch geprägte, unter August dem Starken zur prunkvollen Residenz aufgestiegene Dresden – und das gelehrte Bologna mit seiner ehrwürdigen Accademia Filarmonica, Kaderschmiede der italienischen Instrumentalmusik. Und doch verbindet beide Orte ein enges Netz persönlicher Beziehungen, Reisen und Abschriften, das dieses Programm hörbar macht.


Am Dresdner Hof arbeitete seit 1710 der böhmische Komponist Jan Dismas Zelenka als Kontrabassist und später als Kirchenkomponist. Eine mehrjährige Studienreise führte ihn 1715 über Wien nach Italien, wo er unter anderem bei Antonio Lotti in Venedig seine kontrapunktische Kunst vertiefte – ein typischer Bildungsweg der Dresdner Hofmusiker, die regelmäßig zur Vervollkommnung nach Süden geschickt wurden. Auch der junge Johann Gottfried Goldberg verdankt Dresden seine Ausbildung: 1737 brachte ihn sein Gönner, der russische Gesandte Graf von Keyserlingk, aus Danzig an die Elbe, wo er bei Wilhelm Friedemann Bach und schließlich bei Johann Sebastian Bach selbst studierte – jener Unterricht, aus dem später die legendären „Goldberg-Variationen“ hervorgingen.


Den eigentlichen Kanal zwischen den beiden Städten aber bildete ein Name, der im heutigen Programm nicht auf dem Papier steht, aber allgegenwärtig ist: Johann Georg Pisendel, Dresdens berühmter Konzertmeister. Auf seinen Reisen nach Italien kopierte er in großem Umfang Werke der dortigen Geigenschulen und brachte sie in die berühmte Notensammlung der Hofkapelle, den sogenannten „Schrank II“. So erklärt sich auch der Beiname von Antonio Montanaris Concerto C-Dur: Der römische, im Umkreis Corellis wirkende Geiger war selbst nie in Sachsen – doch seine von Pisendel abgeschriebene Sonate blieb als „Dresdner“ Handschrift erhalten und zeugt bis heute von dieser Italiensehnsucht des Dresdner Hofes.


Bologna selbst ist im Programm durch Giovanni Battista Bassani vertreten, der 1677 in die Accademia Filarmonica aufgenommen und dort später sogar zu deren „Principe“ gewählt wurde – eine der höchsten Auszeichnungen, die die Stadt einem Musiker verleihen konnte. Der Nachwelt gilt er, wenn auch nicht zweifelsfrei belegt, als Lehrer Arcangelo Corellis und damit als Wegbereiter jener klaren, gesanglich grundierten Violinsonate, die von Bologna aus ganz Europa prägen sollte.


Den „südländischen“ Gegenpol im Titel liefern Francesco Durante und Alessandro Scarlatti, beide Schlüsselfiguren der neapolitanischen Schule: Durante als einflussreicher Lehrer einer ganzen Komponistengeneration, Scarlatti als Wegbereiter der italienischen Kammermusik zwischen Rom und Neapel. Ihre Werke stehen für jenes affektreiche, oft von melancholischem Lamento durchzogene Idiom, das dem höfisch-repräsentativen Glanz Dresdens gegenübergestellt wird.

 

So entfaltet das Programm ein Beziehungsgeflecht aus Reisen, Abschriften und Schülerschaften, das zeigt: Die scheinbar so unterschiedlichen musikalischen Welten des sächsischen Hofes und der italienischen Akademien standen im 18. Jahrhundert in stetigem, fruchtbarem Austausch – eine Verbindung, der sich das Ensemble camerata musikus[s] mit seiner engen Bindung an beide Städte bis heute verpflichtet fühlt.